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Für Interessierte am Studium der Lebensmittelchemie

Lebensmittelchemiker:innen sind wissenschaftlich ausgebildete Expert:innen in einer speziellen Disziplin der Chemie, die in erster Linie dem Schutz des Verbrauchers verpflichtet ist. Lebensmittelchemiker:innen arbeiten vorwiegend mit chemisch-analytischen Methoden, aber auch mit biochemischen und mikrobiologischen Verfahren. Ihr Ziel ist vor allem

  • die Zusammensetzung der meist sehr kompliziert aufgebauten Lebensmittel und ihrer Rohstoffe zu ermitteln und das Wissen darüber laufend zu erweitern,
  • die Reaktionen der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln bei der Lagerung, Zubereitung und Verarbeitung im gewerblichen und industriellen Maßstab zu untersuchen und die Kenntnisse zu nutzen, um die Qualität der Erzeugnisse laufend zu verbessern,
  • die Art, Reinheit und Wirkungsweise von Zusatzstoffen zu überprüfen und deren optimale und sichere Anwendung zu gewährleisten,
  • unerwünschte natürliche Bestandteile sowie Spuren von Rückständen und Verunreinigungen in Lebensmitteln und Trinkwasser aufzuspüren, die Quellen möglicher Belastungen zu erkennen und zu beseitigen,
  • die verfügbaren Methoden, insbesondere für Spurenanalysen, und ihre Leistungsfähigkeit ständig weiterzuentwickeln, um möglichst zuverlässige und aussagekräftige Messdaten zu gewinnen,
  • die erhaltenen Untersuchungsergebnisse umfassend lebensmittel- und umweltrechtlich zu bewerten.

Studieninhalte & Berufsbild Was erwartet mich grob umrissen im Studium?

Die Berufsbezeichnung "Lebensmittelchemiker:in" ist gesetzlich geschützt. Die Ausbildung ist in den einzelnen Bundesländern durch staatliche Prüfungsordnungen geregelt, die bundesweit ein achtsemestriges Universitätsstudium und ein einjähriges Praktikum sowie drei staatliche Prüfungen vorsehen. Nach dem viersemestrigen Grundstudium in Chemie hat das Hauptstudium in den folgenden vier Semestern die Schwerpunkte:

  • Chemie, Analytik und Technologie von allen Lebensmitteln, Trinkwasser, Bedarfsgegenständen usw.
  • Biochemie
  • Ernährungswissenschaft
  • chemische Toxikologie
  • Mikrobiologie und Lebensmittelhygiene
  • ökologische Chemie und Umweltschutz sowie
  • Lebensmittelrecht und Verwaltungsrecht.

Der Studienleitfaden ermöglicht einen vergleichenden Überblick der Studienstandorte der Lebensmittelchemie in Deutschland.
Außerdem möchten wir auf "Chemie Studieren", eine Seite der GDCh mit Informationen rund um den Studiengang Lebensmittelchemie (u.a.) aufmerksam machen.

Während des sich häufig anschließenden Praktikumsjahres (PJ) werden die wissenschaftlichen Kenntnisse in einem Untersuchungsamt sowie teilweise an anderen Stellen vertieft und auf Probleme der Praxis angewendet. In vielen Bundesländern wird das Studium als erstes und das Praktische Jahr als zweites Staatsexamen bezeichnet. Häufig wählen Absolventinnen und Absolventen auch eine Promotion im Fachbereich der Lebensmittelchemie. In der Praxis arbeiten Lebensmittelchemiker:innen mit "PJ", Promotion, beiden weiterführenden Abschlüssen oder auch direkt nach Abschluss des Studiums. Während der "klassische Lebensmittelchemiker" obligatorisch das PJ gemacht hat, obliegt es heute jeder Absolventin und jedem Absolventen, zwischen den kombinatorischen Möglichkeiten der Zusatzqualifikationen zu wählen - alle Varianten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Wie gestaltet sich das Berufsbild?

Aufgrund ihrer Kenntnisse entwickeln Lebensmittelchemiker:innen geeignete Maßstäbe zur Beurteilung der Qualität der Lebensmittel und ihrer eventuellen Belastung, z. B. durch Herstellungsverfahren oder aus der Umwelt. Im Bereich der Lebensmittelgewinnung sind sie verantwortlich für die optimale Qualität der Produkte, im Bereich der Lebensmittelüberwachung für das Erkennen von Verfälschungen und von Irreführung und Täuschung.

Beide Tätigkeitsbereiche verbindet die gemeinsame Aufgabe, die Verbraucher:innen vorbeugend vor Risiken durch gesundheitlich bedenkliche Stoffe aus der Nahrung zu schützen. Dies betrifft nicht nur die Lebensmittel einschließlich des Trinkwassers und Genussmittel wie alkoholische Getränke oder Tabakerzeugnisse, sondern auch kosmetische Mittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs, die mit dem Menschen oder mit Lebensmitteln in Berührung kommen, z.B. Geschirr, Verpackungsmaterialien, Wasch- und Reinigungsmittel oder Spielwaren. In allen Fällen sind Lebensmittelchemiker:innen ebenso kompetent für die analytischen Untersuchungen und deren Qualitätssicherung wie für die Beurteilung der Befunde nach den rechtlichen Vorgaben und toxikologischen Kriterien.

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Aufbau des Studiums Was erwartet mich im Detail?

Da die Ausbildung über staatliche Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt ist, gibt es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede in der Ausbildung der Lebensmittelchemie. Über die individuellen Details der Studienordnung an den einzelnen lebensmittelchemischen Instituten und die dort etablierten Forschungsschwerpunkte informiert unser Studienleitfaden.

Ferner kann die kostenlose Broschüre "Merkblatt für Studienbewerber und Studenten der Lebensmittelchemie" bei der GDCh (Frau Bürger: n.buerger@gdch.de) unter Angabe der Postadresse angefordert werden. Diese Broschüre wendet sich vor allem an Abiturient:innen, die sich für ein Studium der Lebensmittelchemie und das Berufsbild interessieren.

Grundstudium

Das Grundstudium verläuft weitestgehend wie das der Diplomchemie. Hier werden die Grundlagen des chemischen Verständnisses gelegt und durch Praktika das analytische Arbeiten erlernt. Die für den Eintritt ins Hauptstudium erforderlichen Vorprüfungen erfolgen in der Regel nach dem vierten Semester.

Während des Grundstudiums stehen für die Studierenden vier Semester lang Vorlesungen in allgemeiner, anorganischer, analytischer, organischer und physikalischer Chemie sowie Biologie, Mathematik für Naturwissenschaftler:innen und Physik auf dem Stundenplan, die häufig durch vertiefende Übungen begleitet werden. Sie vermitteln die grundlegenden Kenntnisse für die Praktika in anorganischer, analytischer, organischer und physikalischer Chemie, Physik und Biologie. Innerhalb solcher Veranstaltungen wird der Lernerfolg häufig durch begleitende Prüfungsgespräche ("Kolloquien") oder Klausuren kontrolliert. Zusätzlich sind einführende Veranstaltungen über Chemikalienrecht und Toxikologie Vorraussetzung, um später die behördliche Genehmigung zu erhalten, Chemikalien in den Verkehr zu bringen.

Hauptstudium

Im viersemestrigen Hauptstudium werden die erlernten Kenntnisse durch weitere Praktika vertieft. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt hierbei in der Erlernung der Methoden der instrumentellen Analytik. Neben der Analytik von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen spielen aber auch die Bereiche der Ernährungswissenschaften, Biochemie, Toxikologie, Technologie der Lebensmittel und das Lebensmittelrecht eine große Rolle.

Das Hauptstudium ist speziell auf die Anforderungen an die späteren Aufgaben der Lebensmittelchemiker:innen im Beruf zugeschnitten und vermittelt vor allem die Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten, die dafür erforderlich sind. Der Zweite Prüfungsabschnitt, wie das Hauptstudium auch bezeichnet wird, wird durch die Erste Staatsprüfung abgeschlossen. Zur Anmeldung müssen Leistungsnachweise vorgelegt werden.

Praktisches Jahr

Nach dem Hochschulstudium, das meist mit dem Ersten Staatsexamen beendet wird, folgt das so genannte Praktische Jahr an einem chemischen Untersuchungsamt. Hier steht die rechtliche Beurteilung der Lebensmittel, Kosmetika, Tabakerzeugnisse und Bedarfsgegenständen im Vordergrund. Der Abschluss liegt in der Zweiten Staatsprüfung.

und später im Job? Wo liegen die Tätigkeitsfelder?

Für Untersuchungen und Beurteilungen im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung sind Lebensmittelchemiker:innen meist in Chemischen Untersuchungsämtern der Bundesländer (z. T. auch von Städten und der Bundeswehr) tätig; hinzu kommen Positionen bei Ministerien und Vollzugsbehörden.

Freiberuflich tätige Lebensmittelchemiker:innen in einem selbstständigen Handelslabor beraten in Sachen Herstellung, Import und Handel durch Untersuchungen und rechtliche Beurteilungen ihrer Güter. Als Handelschemiker:innen oder Sachverständige für Lebensmittelchemie sind sie meist von der Industrie- und Handelskammer bestellt und von der Landesbehörde für die Untersuchung von Gegenproben zugelassen.

In der Ernährungswirtschaft sowie in der Kosmetik- und Bedarfsgegenständeindustrie haben Lebensmittelchemiker:innen umfangreiche Aufgaben in Forschungs­- und Entwicklungslaboratorien und sind meist rechtlich verantwortlich für alle Kontrollfunktionen und die Qualität der Produkte.

In der Lebensmittelforschung arbeiten Lebensmittelchemiker:innen an Universitätsinstituten, die gleichzeitig die Studierenden ausbilden, sowie an Forschungsanstalten des Bundes und der Lebensmittelwirtschaft.

Darüber hinaus ergeben sich zahlreiche weitere Tätigkeitsbereiche in Laboratorien und Untersuchungsstellen im Bereich des Trinkwassers, der Umwelt (Abwasser, Luft und Boden), der Landwirtschaft, der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der chemischen Toxikologie, gerichtlichen Analytik und klinischen Chemie, also überall dort, wo die speziellen Kenntnisse der Lebensmittelchemiker:innen in der Analytik komplexer Substrate und der Beurteilung der Ergebnisse gefragt sind.

Die Lebensmittelchemiker:innen in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern arbeiten in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen.

Institutionen in Deutschland

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Bundesinstitut für Risikobewertung
Infodienst Verbraucherschutz-Ernährung-Landwirtschaft
Bund für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht
Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Lebensmittelchemiker/-innen im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)

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